Anleitung Seedsigner
SeedSigner selbst bauen – Teil 1: Zusammenbau
DIY-Kit mit Open-Pill-Mini-Gehäuse · ca. 20 Minuten · kein Werkzeug, kein Löten
Teil 1 – Zusammenbau (du bist hier) · Teil 2 – Software & Signaturprüfung · Teil 3 – Erste Wallet
Der SeedSigner ist ein Air-Gapped-Signiergerät für Bitcoin: Er hat kein WLAN, kein Bluetooth und keinen dauerhaften Speicher. Dein Seed existiert nur im Arbeitsspeicher, solange das Gerät Strom hat – und ist beim Trennen weg. Kommuniziert wird ausschließlich über QR-Codes: Kamera rein, Display raus. Diese Anleitung bringt dich vom Bausatz zum lauffähigen Gerät.
Die microSD in deinem Kit ist bewusst leer – du lädst, prüfst und schreibst das Betriebssystem selbst. Genau darin liegt der Sicherheitsgewinn: Du musst uns nicht vertrauen. Mach das in Teil 2, bevor du hier weitermachst. Grund: In Schritt 5 testest du das Gerät, solange es noch offen ist. Das Gehäuse ist eine Schnappverbindung – wer erst zusammenbaut und dann merkt, dass etwas nicht geht, riskiert beim Zerlegen Bauteile und Gehäuse.
Lieferumfang
- Raspberry Pi Zero v1.3 – ohne WLAN und Bluetooth, das ist Absicht
- GPIO-Stiftleiste, bereits verlötet
- Waveshare LCD 1,3" mit 240×240 Pixeln, Joystick und drei Tasten
- Kameramodul mit Flachbandkabel
- 3D-gedrucktes Gehäuse „Open Pill Mini“ aus PLA
- Rändelmutter M2,5 für den Joystick
- microSD-Karte und Micro-USB-Kabel
Werkzeug: keins. Zum Öffnen des Kameraanschlusses reicht ein Fingernagel.
Schritt 1 – Teile prüfen
Alles auf einer sauberen, hellen Fläche auslegen und mit der Liste oben abgleichen. Sieh dir die GPIO-Stiftleiste auf dem Pi genau an: Alle 40 Pins müssen gerade stehen. Ein verbogener Pin fällt jetzt in zehn Sekunden auf – später beim Aufstecken des Displays verbiegt er sich weiter und ist dann kaum noch zu retten.
Schritt 2 – Kamera anschließen
Der Kameraanschluss (CSI-Port) sitzt an der schmalen Seite des Pi Zero, gegenüber der microSD-Aufnahme. Er hat einen schwarzen Riegel, den du mit dem Fingernagel vorsichtig ein bis zwei Millimeter herausziehst – er kommt nicht ganz ab und muss das auch nicht.
Riegel offen
Kabel eingesetzt
Kabel bis zum Anschlag gerade einschieben, dann den Riegel wieder hineindrücken. Er sitzt, wenn er bündig ist und ein leichter Zug am Kabel nichts bewegt. Das Kabel darf dabei nicht verdreht sein und keinen scharfen Knick bekommen.
Schritt 3 – microSD einsetzen
Die in Teil 2 geflashte Karte in den Schacht schieben, Kontakte nach unten zur Platine – gleiche Richtung wie beim Kamerakabel. Der Pi Zero hat keinen Federmechanismus: Die Karte wird einfach hineingeschoben und wieder herausgezogen.
Schritt 4 – Display aufstecken
Das Waveshare-Display wird direkt auf die 40-polige Stiftleiste gesteckt. Es geht nur in einer Ausrichtung: Die Buchsenleiste auf der Displayrückseite liegt bündig über der Stiftleiste, das Display zeigt zur gleichen Seite wie die Bauteile des Pi.
In diesem Zustand sitzt das Display noch locker – das ist normal. Fest wird es erst im Gehäuse.
Schritt 5 – Testlauf vor dem Einbau
Micro-USB-Kabel an den mittleren Anschluss mit der Beschriftung USB stecken – nicht an den äußeren mit der Beschriftung PWR. Beide liefern Strom, aber im Gehäuse ist die Aussparung auf den mittleren ausgelegt. Dann Netzteil anschließen und etwa 45 Sekunden warten.
Prüfe der Reihe nach:
- Das SeedSigner-Logo erscheint, danach das Hauptmenü
- Der Joystick bewegt die Auswahl in alle vier Richtungen und reagiert auf Druck
- Alle drei Tasten rechts neben dem Display lösen aus
- Die Kamera liefert ein Bild – im Menü einen Scan-Vorgang starten und prüfen, ob ein Livebild kommt. Damit ist Schritt 2 bestätigt.
Läuft alles: Strom trennen und die microSD wieder herausziehen – sie würde beim Einsetzen ins Gehäuse im Weg sein. Läuft etwas nicht, hilft die Tabelle am Ende dieser Seite.
Schritt 6 – Kamera ins Gehäuse
Zuerst das Display wieder abziehen, dann die Schutzfolie vom Kameraobjektiv abziehen – danach kommst du nicht mehr heran. Das Kameramodul von innen in die Aussparung setzen, bis es unter den Haltenasen einrastet. Das Objektiv schaut durch die runde Öffnung nach außen.
Schritt 7 – Pi Zero einsetzen
Den Pi so ins Gehäuse führen, dass das Flachbandkabel über der Kamera zu liegen kommt. Es soll sich weich falten, nicht knicken – ein sanfter Bogen ist richtig, eine scharfe Kante nicht.
Kabel falten
Eingerastet
Jetzt die USB-Anschlüsse an den Aussparungen ausrichten und die Platine auf der Seite der Stiftleiste nach unten drücken, bis sie hörbar einrastet. Wenn die Anschlüsse nicht sauber in ihren Öffnungen stehen, sitzt der Pi schief – dann nicht mit Kraft nachhelfen, sondern neu ansetzen.
Schritt 8 – microSD und Display
Die microSD-Karte wieder einschieben – die Aussparung im Gehäuse lässt sie zugänglich, du kommst also auch später noch heran. Dann das Display wieder aufstecken und diesmal fest andrücken. Gehäuse und Displayplatine verspannen sich gegeneinander, das Gerät wird ein fester Block.
Schritt 9 – Rändelmutter aufsetzen
Der nackte Joystick ist auf Dauer unangenehm zu bedienen. Die beiliegende Rändelmutter M2,5 macht daraus einen richtigen Daumenknopf.
Fertig
Strom dran, 45 Sekunden warten – das Gerät ist betriebsbereit. Es speichert nichts: Jeder Start beginnt bei null, und mit dem Trennen der Stromversorgung ist alles wieder weg. Genau so ist es gedacht.
Wenn etwas nicht funktioniert
| Symptom | Ursache und Lösung |
|---|---|
| Display bleibt komplett dunkel | In den allermeisten Fällen die SD-Karte: nicht geflasht, falsches Image oder Schreibvorgang fehlgeschlagen. Der Pi Zero v1.3 braucht pi0.img. Zweithäufigste Ursache: verbogene GPIO-Pins. |
| Logo kommt, dann bleibt es stehen | Fehlerhaft geschriebene Karte. In Teil 2 neu flashen und die Prüfsumme kontrollieren. |
| Kamera liefert kein Bild | Fast immer das Flachbandkabel: falsch herum (Goldkontakte müssen zur Platine zeigen), nicht tief genug eingeschoben oder Riegel nicht geschlossen. Schritt 2 wiederholen. |
| Joystick reagiert nicht mehr | Meist beim Aufsetzen der Rändelmutter zu viel Drehmoment. Mutter abnehmen und erneut testen. |
| Gerät startet gar nicht | Micro-USB-Kabel ohne Datenleitungen oder zu schwaches Netzteil. Anderes Kabel probieren und prüfen, ob es am mittleren Anschluss USB steckt. |
Open Source
SeedSigner ist ein freies Projekt unter MIT-Lizenz – Software, Gehäusedesigns und Dokumentation sind öffentlich einsehbar. Wir verkaufen die Teile, das Projekt selbst gehört der Community. Wenn dir das Gerät etwas wert ist, unterstütze die Entwickler direkt:
- seedsigner.com – Projektseite
- github.com/SeedSigner/seedsigner – Quellcode, Releases und Dokumentation
- Open Pill Mini – Gehäusedesign – die STL-Datei, aus der wir dein Gehäuse drucken
- seedsigner-os – Betriebssystem, seit Version 0.7.0 reproduzierbar baubar
Teil 2 – Software installieren und Signatur prüfen
Teil 3 – Erste Wallet erzeugen und sichern
Fragen zum Zusammenbau?
Schreib uns per WhatsApp, Telegram oder Kontaktformular – gerne mit Foto.